Bei
„Jugend forscht“:
„Ihr
könnt euch als Elite Nordrhein-Westfalens schätzen“
Michael Scheppe und Julian Hübenthal
beim Landeswettbewerb erfolgreich
misch Wenden / Leverkusen. Welcher Hobbygärtner hat sich wohl noch nicht
darüber geärgert, dass beim Rückwärts-Mähen zahlreiche Grashalme auf der Wiese
liegen bleiben? Auch Michael Scheppe und Julian Hübenthal bemerkten bei der
heimischen Rasenpflege einen Unterschied zwischen vorwärts und rückwärts
gemähten Abschnitten. Dieses Phänomen ließ die beiden Realschüler nicht mehr
los und so entschlossen sich diese, im Rahmen des Forscherwettbewerbs „Jugend
forscht“ der Sache auf den Grund zu gehen. Eine Lösung auf die zunächst trivial
erscheinende Forschungsfrage „Warum nimmt der Rasenmäher beim Rückwärts-Mähen
nur einen des abgemähten Grases auf?“ bedurfte einer besonders aufwendigen
Forschung.
Auch die Juroren, des im vergangenen
Februar stattfindenden Regionalwettbewerbs Dortmund, waren von den bemerkenswert
detaillierten Analysen und interessanten Ergebnissen derart begeistert, dass die
16-jährigen in der Kategorie Technik den 1. Platz erreichten und sich für den,
in den vergangenen Tagen stattfindenden nordrhein-westfälischen
Landeswettbewerb in Leverkusen qualifizierten. Dort wurden die Jugendlichen
nicht nur mit einem attraktiven Rahmenprogramm für die Forschungen der
vergangenen Wochen und Monte belohnt.
Eine Besichtigung des Bayer
Kommunikationszentrums und eine Rundfahrt durch den Leverkusener Chempark
zeigte den „Jungforschern“ bereits zu Beginn ihres Aufenthalts die Größe der
Bayer AG. Diese ist bereits seit vielen Jahren das Patenunternehmen des
Wettbewerbs. Besuche der größten Indoor-Kletterhalle „Bronx Rock“, eine
Besichtigung des Bayer-Pflanzenschutzzentrums in Monheim, informative Vorträge
und ein Kinoabend rundeten den Aufenthalt ab. Der Höhepunkt für die insgesamt
87 Jungforscher war sicherlich die Feierstunde mit dem anschließendem
festlichen Abendessen im „Kasino“ der Bayer AG.
Doch bis dahin war es für Michael
Scheppe und Julian Hübenthal ein weiter Weg: Hunderte von Stunden forschten die
Zehntklässler auch in den Winterferien an ihrem Projekt, welches sicherlich
auch durch zahlreiche Rückschläge gezeichnet war. Zunächst stellten die beiden
fest, dass neuere Rasenmäher lediglich 10 Prozent des Grases beim
Rückwärts-Fahren liegen lassen. Bei älteren Modellen (symbolisch hierfür stand das
Testgerät ihres Betreuers Hermann-Josef Wehler), hingegen wurde gar die Hälfte
nicht aufgenommen. Dies veranlasste die Jugendlichen nachzuprüfen, ob die
Zentrifugalkraft für den Abtransport des Gutes verantwortlich ist. Nach
zahlreichen Versuchen, in denen das Gras mit Münzen, Nägel, Heu oder
Hobelspänen simuliert wurde, stellte sich heraus, dass doch der Unterdruck und
das Verhalten der Luftströmung für das Befördern der Grasreste in den
Auffangkorb zuständig sind. Durch speziell angefertigte Messer und Spoiler
fanden die beiden heraus, dass bei einer Winkelstellung des Messers von 45° der
größte Unterdruck erzeugt werden kann. Gleichwohl ist dieser nicht in allen
Bereichen des Messerraums gleich groß. Gegenüber dem Auswurf fanden die Schüler
einen Bereich, in dem der Unterdruck derart gering ist, dass das Gras nicht
angehoben werden kann. Diese „tote Zone“ war bei den älteren Mähern wesentlich
größer ausgebildet. Und da beim Rückwärts-Mähen im Vergleich zum Schieben des
Rasenmähers ein Großteil des abgemähten Schnittgutes durch die besagte „tote
Zone“ muss, konnten Michael Scheppe und Julian Hübenthal das Phänomen erklären.
Da dieser Bereich in älteren Rasenmähern größer ist, ließ dieser bei den
praktischen Versuchen auch erheblich mehr geschnittenes Gras liegen.
Die mit Filmen und schriftlichen
Berichten protokollierten Untersuchungsvorgänge beeindruckten auch die Juroren
des Landeswettbewerbs. Für ihre Forschungen erhielten Michael Scheppe und
Julian Hübenthal den mit 150 € dotierten dritten Platz im Fachgebiet Technik.
Außerdem wurden die Realschüler mit einem Sonderpreis, der zu einem einwöchigen
Studienseminar im Deutschen Museum München berechtigt, ausgezeichnet.
Wettbewerbsleiter Dieter Römer erklärte, dass die Arbeiten in diesem Jahr
überdurchschnittlich gut seien. Er bemerkte, dass ein diesjähriger zweiter oder
dritter Rang, vor 12 Monaten sicher zum Spitzenplatz und somit zur
Qualifikation für den Bundeswettbewerb in Bremerhaven geführt hätte. Auch der
Patenbeauftragte der Bayer AG, Norbert Drehkopf, bekräftigte, dass auch
diejenigen, welche sich nicht für den bundesweiten Wettstreit qualifizieren,
doch Gewinner seien. „Ihr alle könnt euch als Elite Nordrhein-Westfalens
schätzen“, sagte er gegenüber den Jungforschern.